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Das Problem mit dem Kork im Wein

Korkgeschmack im Wein ist für jeden Weinliebhaber ein schlimmer Geruch. Noch viel schlimmer ist diese Problem aber für die Produzenten, denn es verursacht in Summe Milliardenkosten. Vor wenigen Jahren hatte der berühmte Piemontesische Winzer und Altmeister Elio Altare einen Korkschaden bei einem gesamten Jahrgang! Die Prozesssumme belief sich damals auf viele Millionen Schilling. Altare gewann den Prozess gegen den deutschen Korkenlieferanten.

Verantwortlich für den muffigen, leicht holzigen Ton sind Chlorverbindungen, so genannte Chloranisole. Weniger bekannt ist den meisten Weintrinkern, dass nicht nur der Kork, sondern auch ein mit Chloranisolen verseuchter Keller beim Produzenten einen korkigen Geschmack im Wein verursacht. In den Keller gelangen diese Stoffe häufig durch Holzbehandlungsmittel oder Isolationsstoffe. Einige wenige Milliardstel (!) Gramm pro Liter Luft genügen, um im Wein bereits einen fehlerhaften Ton zu verursachen. Das Schlimme dabei ist, dass der Korkgeschmack bei diesen Weinen erst nach der Flaschenfüllung festgestellt werden kann. Der Winzer hat also keine Möglichkeit, dies frühzeitig zu erkennen, auch wenn er sich noch so sehr bemüht und sorgfältig arbeitet! Man kann deshalb auch nicht von einem Korkfehler bei einem Wein auf die Sorgfältigkeit des Winzers rück schließen. Korkfehler können auch bei den besten und namhaftesten Winzern vorkommen.

Die überaus renommierte Schweizer Weinforschungsanstalt in Wädenswil hatte in den 80er Jahren als erste weltweit herausgefunden, dass in vielen Fällen das so genannte Trichloranisol für den leidigen Korkgeschmack verantwortlich ist. Ein Abbauprodukt, das durch Pilze in den Korkporen entsteht. Heute existieren verschiedene Verfahren, um den Einfluss des Trichloranisols zu mildern. Aber ein umfassend funktionierendes Rezept kennt man nach wie vor leider immer noch nicht.

Bei der heimtückischeren Variante, der Verseuchung des Weins auf Grund eines kontaminierten Kellers, blieb bis vor kurzem nichts anderes übrig, als einen neuen Keller zu bauen oder eine Totalsanierung vorzunehmen. Scheinbar gibt es einige berühmte Bordeaux - Chateaus, die zu diesem Schritt gezwungen waren!

Erfreulicherweise kam vor kurzem abermals Hilfe von den Eidgenossen: Das St.Galler Unternehmen Filtrox hat ein Verfahren entwickelt, mit dem sich dieser Muffton mittels einer speziellen Filterschicht eliminieren lässt.

Mittlerweile verwenden aber auch immer mehr Produzenten alternative Verschlussarten. Denn ein teurer Naturkork ist bei Weinen, die jung getrunken werden, gar nicht notwendig. Ein Drehverschluss oder ein ästhetisch eher billig wirkender Kronenkork genügen vollauf. Optisch wesentlich ansprechender, aber auch teurer, ist der neuartige Verschluss aus Glas. Beim Kunststoffzapfen reift der Wein deutlich schneller, es können auch Rückstände entstehen. Deshalb sind Kunststoffverschlüsse abzulehnen.

Beim bekannten australischen Produzenten Peter Lehman ist man der Meinung, dass der Kork sogar bei den hochwertigen Lagerweinen ausgedient hat. So werden seit kurzem die teuersten Weine auf Wunsch mit Drehverschluss geliefert. Auch xMister Grüner Veltlinerx in Österreich, Bernhard Ott aus Feuersbrunn am Wagram, liefert alle seine Weine mit Drehverschluss. Selbst sein jüngstes Flagschiff, der Grüne Veltliner mit der Bezeichnung xtausend Rosenx, der trotz seines Preise von x 41,- die Flasche ab Hof nur in homöopathischen Dosen zu bekommen ist, hat einen Drehverschluss. Bei der Magnumflasche schaut dies noch ungewohnter aus!

Was mich nun interessiert, ist die Frage danach, wie der Handel bzw. die Winzer reagieren, wenn der Kunde einen Wein reklamiert, der einen Korkgeschmack hat; gibt es da einen einheitlichen Verhaltenscodex? Haftet der Verkäufer bzw. der Hersteller oder wird diese Verantwortung dem Kunden auf das Auge gedrückt?

Ich werde die Probe auf das Exempel machen und den Markt analysieren. Über meine Erfahrungen berichte ich einem der nächsten Kulinarikum.

Bis dahin grüßt Sie herzlich,

Ihr Kuli Narikum