alge electronics

Der Weinjahrgang 2004

Entgegen vieler anderer Jahre begann die Lese sehr spät. Die Natur hat, übrigens auch in Frankreich, Italien und Spanien, in diesem Jahr einfach etwas länger Zeit benötigt. Das Vegetationsjahr 2004 wird als ein recht kühles Jahr mit einer sehr langen Reifeperiode in Erinnerung bleiben. Kein Wunder, denn niemand konnte allen Ernstes an eine Wiederholung des Jahrhundertsommer 2003 glauben. In Österreich ist wohl keiner der letzten Jahrgänge so unterschiedlich ausgefallen, wie der 2004er.

Die Konsumenten können sich auf Weine mit hohem Trinkspaß, mit guter Frucht, hoher Mineralität und weicher Säure freuen. Vor allem die Weißweine warten heuer mit äußerst genussvoller Qualität auf. Allerdings werden Weine großer Lagen und auch die Smaragdweine nur sehr begrenzt oder gar nicht verfügbar sein. In der Steiermark setzte beispielsweise am 25. Oktober ausgiebiger Regen ein. Traubengut, welches zu diesem Zeitpunkt noch nicht in den Kellern war, faulte noch am Stock hängend unwiederbringlich weg! In der Wachau wurde von den Winzern dieses Jahr besonders starke Nerven gefordert, um wenigstens eine kleine Menge der sehr gefragten Spitzenweine keltern zu können! Durch den Wettlauf gegen die einsetzende Fäule und die damit zwingend verbundene tief greifende Selektion des angegriffenen Traubengutes, wurde leider sehr viel an Menge eingebüßt. Die Wachau-Ikone Emmerich Knoll hat beispielsweise seine letzten Trauben erst Mitte November (!) -und der legendäre Franz Hirtzberger hat sogar erst am 5.Dezember 2005 (!!) gelesen!

Rund um den Neusiedler See war der Regen schon Mitte Juli zu Ende. Die Burgenländischen Winzer mussten nicht so wie viele Ihrer Kollegen aus den anderen österreichischen Weinbaugebieten mit Reifeproblemen kämpfen. Die Monate August und September gehörten im Burgenland zu den trockensten Monaten des Jahres. Im Oktober kam dann der heiß erwartete „Altweibersommer“ und die Lese konnte mit ganzer Kraft und viel Freude von toll ausgereiftem, kerngesunden Traubengut in aller Ruhe beginnen.

Die lange Reife am Stock brachte einen klassischen Jahrgang. Die Burgenländer Rotweine zeichnen sich durch tiefe Frucht und ein gutes Aroma aus. So schreibt das Weingut Umathum aus Frauenkirchen über den 2004er Jahrgang von einem der schönsten Jahrgänge der letzten Jahre!

Und was machten die Süßweine in Österreich?

Spätlesen, Auslesen, Ausbrüche und Beerenauslesen waren 2004 recht rar gesät. Die begehrte Trockenbeerenauslese war noch rarer. Wie bei den Weißen in der Wachau war es auch hier ein reines Geduldsspiel. Mit der Lese wurde bis tief in den November hinein abgewartet. Die nassfaulen Trauben mussten laufend und sorgfältig heraus geschnitten werden. So konnte auch in diesem Jahr gute Qualität, leider sehr aufwändig und nur in kleinen Mengen produziert werden.

Und außerhalb Österreichs?

Italien wartet mit einer Steigerung der Ertragsmenge von + 30% gegenüber 2003 und toller Qualität auf, vor allem im Piemont und in der Toskana. Dafür kommt Süditalien – wenn man den Verköstigungsnotizen glauben schenken darf - im Jahre 2004 über das Mittelmass offenbar nicht hinaus.

Ähnlich die Situation in Frankreich

Große Mengen, in der Spitze der Topwinzer durchaus auch gute Qualität. Aber kein Ausnahmejahrgang. Im Bordeaux berichten die ersten Verköstigungsnotizen von Weinen mit viel Frucht, guter Farbe, gesundem Tannin und leicht erhöhter Säure. Aus Südfrankreich kommen saftige Weine ohne übertrieben hohen Alkoholgehalt. Sehr gut hingegen das Jahr 2004 in der Campagne. Dort wird 2004 als großes Jahr in die Geschichte eingehen.

Die Preise?

Eine äußerst gute Nachricht für alle Konsumenten. Die Preise bleiben mindestens stabil, oder werden teilweise sogar fallen! Die hohe Erntemenge in Italien und die prall gefüllten Keller der Winzer mit einer unglaublichen Reihenfolge von Superjahrgängen im Piemont wird dazu führen, dass zumindest dort die Preise fallen werden. Bei den Piemonteser Weinen bin ich mir diesbezüglich sehr sicher. Vielleicht nicht überall sofort. In der Topliga können es sich arrivierten Winzer wie Gaja oder Giacosa durchaus leisten etwas abzuwarten, aber in Summe wird das Preisniveau sinken!

Dazu geführt hat auch die stark rückgängige Abnahme von Piemontweinen durch die deutschen Konsumenten aufgrund der schlechten Konjunktur, auch vor Ort im Handel. Wir werden sehen wie es sich auswirkt! Ich erwarte aber sinkende Preise! (Sofern das Gesetz von Angebot und Nachfrage auch im Weinhandel funktioniert). Übrigens sehr zu meiner Freude!

In Österreich kündigt z.B. Pepi Umathum in seiner letzten Aussendung an: ...die Preise der wichtigsten Weine bleiben unverändert.

Na, das ist doch schon mal was...


meint Ihr
Kuli Narikum