alge electronics

Ein Kurzausflug ins Piemont

Nach einer langen schöpferischen Pause haben ich mich entschlossen, die Reihe des Kulinarikums fortzusetzen. Heftig ermuntert von der Tatsache, dass diese Kolumne doch einigen Menschen gefehlt hat und diese mich um eine Fortsetzung gebeten haben

Der Frühling ist die schönste Zeit im Piemont! Wenn es bei uns oft noch kalt und unlustig ist, kann man im Piemont an den Abenden schon im Freien sitzen und die ersten Sommergefühle erleben. Man verlängert durch den Besuch in diesen Tagen den Sommers zweimal – einmal im Frühling und dann natürlich im Herbst.

Eine charmante Bekannte rief mich in den letzten Tagen an und bat mich, ihr doch einige Tipps für den bevorstehenden Kurzurlaub im Piemont zu geben. Dies tue ich sehr gerne und lasse auch Sie, verehrter Leser, daran partizipieren. Ich möchte auch auf die Sammelbände Kulinariumtipps 2001 und 2002 hinweisen – sie können diese im Archiv nachlesen (Top- Restaurants im Piemont I + II sowie „Trüffel – das Gold des Piemonts“). Meine jetzigen Ausführungen verstehen sich als Ergänzung dazu.

Der Besuch von Alba ist ein unbedingtes Muss! Gehen Sie aber nicht am Samstagvormittag hin, denn dann findet dort der Markt statt (09.00-13.00 Uhr). Es herrscht ein unglaubliches Gedränge und man kann die Stadt nur beschränkt erleben. Die Märkte im Piemont sind schwach, nicht zu vergleichen mit denen im Südtirol. Wir haben einen einzigen Markt gefunden, den es zu besuchen lohnt – jenen in Mondovi, ebenfalls am Samstag zwischen 09.00 und 13.00 Uhr.

Alba besuchen Sie besser an einem anderen Tag, oder vielleicht am Samstag Nachmittag – dann erleben Sie den ganzen Charme dieser kleinen Stadt. Die Stadt der sieben Türme ist zwischen 09.00 und 12.30 Uhr und dann zwischen 15.30 – 19.30 Uhr belebt. Dann haben auch die zahlreichen Boutiquen und Geschäfte geöffnet. Alba hat eine kleine aber sehr reizende Fußgängerzone mit tollen Geschäften und Auslagen, kleinen Straßencafes und dem ganz typischen italienischen Flair. Auch zahlreiche Wein- und Feinschmeckergeschäfte finden sie in Alba. Das Beste davon ist das „Peccati di Gola“ in der Via Cafour 11 - direkt in der Fußgängerzone. Dort finden sie in Beppe einen ausgewiesenen Feinschmecker und Kenner des Piemonts, äußerst charmant unterstützt von seiner Frau Juliana und der hübschen Tochter Dede. Durch die enge Wendeltreppe im hinteren Teil des Lokals, vorbei an einer ganz hervorragenden Auswahl an Grappas gelangen sie in den Weinkeller. Dort entdecken Sie eine der besten und sehr fair bepreisten Auswahl an piemontesischen Weinen. Ich habe oft schon bei Beppe günstiger eingekauft als zuvor direkt beim Winzer! Auch das Nudel- und Käsesortiment kann sich sehen lassen. Besonders sei auf die „Salami d’oca“ hingewiesen – eine Gänsesalami von unglaublichem Geschmack und eine Rarität, für die manche Italiener hunderte von Kilometer als Anfahrtsweg zu Beppe nach Alba in Kauf nehmen! Das „Peccati die Gola“ ist ein absolutes Muss wenn sie im Piemont sind. Und planen Sie genügend Zeit ein, denn gerne können Sie bei Beppe auch das eine oder andere degustieren.

Wenn Sie den Vormittag in Alba verbracht haben, dann bietet sich der Besuch des „Belvedere“ in La Morra fast zwingend an. Der wahrscheinlich schönste Aussichtspunkt im Piemont und ein kulinarischer Klassiker! Das Belvedere (0173 - 50190) war schon gut als das Piemont noch völlig unbekannt war. Ein tolles typisches italienisches, gediegenes Restaurant, sehr stark von Italienern frequentiert (ein gutes Zeichen)!

Genehmigen Sie sich doch vorweg einen Spumante und etwas Salami als Apperitiv auf der Terrasse. Der Patron, Seniore Gianfranco Bovia, wird Ihnen dies gerne servieren lassen. Senior Bovia ist übrigens einer der großen Weinproduzenten von la Morra. Sein Weingut liegt direkt unterhalb von La Morra. Der Weinkeller des „Ristorante Belevedere“ hat ca. 35.000 Flaschen – schauen Sie ihn sich an, er ist beeindruckend. Vielleicht trinken sie zum Hauptgang (secondo piati) einen Bric du Luve von CaViola – Jahrgang 2000 oder 2001? Piemont at his best... Das Lokal ist leicht zu finden – es liegt am höchsten Punkt von La Morra und Sie können mit dem Auto direkt bis zum Lokal fahren – auch wenn die engen Gassen dorthin manchmal ein anderes Gefühl aufkommen lassen. Direkt vis-a-vis findet sich eine sehr stimmungsvolle Enotec, auch die Verkaufsräume der Genossenschaft der Weinbauer von La Morra sind nur 200m entfernt. Beide zu besuchen lohnt sich für den Weinfreak!

Romano Levi – die Grappalegende! Versäumen Sie nicht nach Neive zu fahren und in der Destillerie von Romano Levi vorbei zu schauen. Suchen Sie nach den Weingütern der Fratelli Giacosa und von Bruno Giacosa. Diese liegen an der Hauptstrasse und sind leicht zu finden. Das kann man von Levi nicht sagen – denn er brennt in einem alten Bauernhaus direkt vis-a-vis der Giacosas (übrigens, bei Giacosa können Sie tolle Weine kaufen. Bruno Giacosa hat auch einen sehr guten Spumante). Sie müssen am Gartentor bei Levi läuten und dann höflich fragen, ob sie eingelassen werden. Je nach Stimmungslage des „Maestros“ wird das stattfinden oder eben nicht. Lassen Sie die Frauen nach Eintritt fragen, das erhöht die Chancen ungemein! Unter Umständen können Sie dann auch eine Flasche mit seinen weltberühmten Hand - bemalten Etiketten erwerben – lassen Sie doch auch hier wieder den Frauen den Vortritt.... ach wie schön ist doch die Welt!

In Neive, vis-a-vis vom Rathaus, befindet sich das „La Luna nell’Pozzo“ (0173 - 67098) – ganz tolle piemontesische Küche mit leichtem französischem Einschlag! Hier habe ich das allerbeste „Filetsteak mit Kräutern“ meines Lebens gegessen! Und die meisten Desserts in unmittelbarer Abfolge......stets mit einem netten Lächeln serviert vom überaus zuvorkommenden Signore Cesare. Zu den Desserts müssen Sie unbedingt einen der weltberühmten Moscato d’Asti probieren. Ein ganz leichter, süßer und süffiger Begleiter zu der tollen Dessertauswahl des Piemonts, den dort jedes Kind kennt (uns auch dazu trinkt). Im La Luna nel’Pozzo ist man wirklich Gast, der Wirt lässt Sie das mit jedem Atemzug spüren! Ganz toll!

Für einen kurzen Zwischenstopp oder einfach für den kleinen Hunger eignet sich der „Gemüsehändler“ in Monforte d’Alba sehr gut. Direkt am wunderschönen Hauptplatz von Monforte gelegen, ein paar kleine Tische im Freien und einige gute typische italienische Snacks (Carne cruda, vitello tonnato, Salamiplatte, manchmal auch eine würzige Minestrone, etc.) für den kleinen Hunger zwischendurch, liebevoll zubereitet von Laura, der Chefin (gleichzeitig auch Schwester des berühmten Winzers Domenico Clerico). Lassen Sie sich die tolle Ambiente vom meist mürrischen Hausherren Tino nicht vermiesen, das gehört beim Gemüsehändler irgendwie dazu. Übrigens, der Name „Gemüsehändler“ stammt aus früheren Tagen. Tino und Laura haben erst vor einigen Jahren den urigen Tante-Emma-Laden von Tinos Mutter zu einem schicken Bistro umgewandelt. Bis dahin standen in der Mitte des alten Verkaufslokals die Kisten mit Gemüse und die Schachteln voll mit Wein. Auch hier können Sie alle Weine kaufen und mit nach Hause nehmen, wenn Sie wollen.

Gute Reise und viel Spaß wünscht Ihnen

Ihr
Kuli Narikum