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Die Kunst des Dekantierens

Soll man, oder soll man nicht – dekantieren? Selten weichen die Meinungen der Weinfreunde derart stark von einander ab, wie bei dieser Frage.
Einig sind sie sich in Bezug auf das Dekantieren nur in einem Punkt: Bei alten Weinen schon. Denn alte, oft während Jahren gelagerte Weine, bilden während dieser Zeit „Depot“. Bei diesem Depot handelt es sich um den sogenannten Weinstein, eine kristalline, schwer lösliche Substanz, die sich im Laufe der Jahre auf dem Flaschenboden ablagert. Da der Wein liegend gelagert werden sollte, so dass der Korken im Flascheninneren mit Wein bedeckt ist, lagert sich das Depot auf der Längsseite der Flasche, also an der Flaschenwand ab. Deshalb sollte man länger gelagert Flaschen sehr behutsam aus dem Keller holen und keinesfalls aufrecht vom Keller in die Stube tragen oder gar stellen, damit sich dieses abgelagerte Depot nicht wieder aufwirbelt und u.U. sogar zu einer Trübung des Weines führt.

Um nun den Wein vom Depot zu trennen, wird er sorgfältig dekantiert. Die Flasche wird in der waagrechten Stellung sorgsam solange in eine Karaffe entleert, bis sich das Depot aufzulösen und unter den restlichen Wein zu mischen beginnt. Dieses Vermischungsprozess macht man sichtbar, in dem man unter den Flaschenhals eine brennende Kerze stellt und die dadurch den Wein von unten her „beleuchtet“. Der Wein wird hell und durchsichtig, man kann die „Verunreinigung“ sofort erkennen, sobald sie sich in einer dünnen „Depotspur“ unter den Wein zu mischen beginnt. Wenn nun dieses Depot Gefahr läuft, in die Karaffe zu fließen, dann wird das Dekantieren beendet und hat seinen Dienst erfüllt: Das Depot ist nun vom Wein getrennt und verbleibt mit einem kleinen Anteil Wein in der Flasche! Dieses „Beleuchten“ des Weines ist übrigens der einzige Sinn und Zweck einer Kerze beim Dekantieren. Oft gehörte Märchen bezüglich der Kerze – Sauerstoff verbrennen etc., bleiben schlicht und einfach Märchen. Sie könnten das Dekantieren auch mit einer Taschenlampe durchführen, allerdings wäre dies nicht halb so romantisch wie mit einer Kerze. Ein kleiner Tipp von mir: Schütten sie doch den letzten Rest Wein einer solchen Flasche samt Depot in ein extra Glas und lassen sie es stehen. Oftmals ist es ein besonderes Erlebnis, diesen Schluck, bei dem sich das Depot dann nach einigen Stunden wieder gesetzt hat, am Ende eines wunderschönen Abends zu verköstigen, weil diese Wein meist besonders intensiv und würzig schmeckt und einen krönenden Abschluss bilden kann.

In Bezug auf alte Weine sind sich die Weinfreunde einig!

Was hat es aber mit dem Dekantieren von jungen Weinen auf sich? „Wein muss atmen, damit er die höchste Vollendung erreicht“, ist die weitverbreitete und richtige Meinung! Über das „Wie“ und „Wie lange“ gehen die Meinung aber sehr stark auseinander. Es ist zu beachten, dass Dekantieren eine höchst emotionale Sache ist und manchmal einfach dazugehört. Wenn sie als Gastgeber dann auch noch die Gläser vinieren, dann steht einem stimmungsvollen Abend nichts mehr im Wege. Ich selbst gehöre zu jener Sorte der Weintrinker, die den Wein sehr intensiv auch mit der Nase genießen. Deshalb dekantiere ich junge Weine – wenn überhaupt – erst kurz vor dem Trinken, da ich die sogenannten Primäraromen - also jenes Bukett, dass der Wein unmittelbar nach dem Öffnen freigibt und das meist nur wenige Minuten lang anhält, über alles liebe! Probieren sie doch am besten aus, was Ihnen zusagt. Denn Wein trinken hat eine besonders tolle Komponente: Es zählt nur das was persönlich schmeckt –und sonst gar nichts!

Viel Spaß, meint

Ihr Kuli Narikum