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Der Weinjahrgang 2001 Serie I: Österreich und Italien

Wenn es eine Gemeinsamkeit zwischen den europäischen Weinregionen gibt, die im Jahre 2001 im Übrigen mit völlig unterschiedlichen Bedingungen zu kämpfen hatten, dann ist dies wohl die Tatsache, dass man heute Dank konsequenter Arbeit im Rebberg überall korrekte bis sehr gute Resultate zu erzielen weiß. Daher gehört das schwierige Jahr 2001 generell zu den guten Weinjahren. Erfreulich ist, dass die Mengen eher rückläufig sind (ein Segen bezogen auf die im Jahr 2005 zu erwartende weltweite Überproduktion von fast 100 Mio. Hektolitern) und, dass die Preise erstmals seit 1995 eher stabil bleiben, vielleicht sogar leicht nach unten tendieren.

Österreich:
2001 war ein Wechselspiel der Natur. Vor allem der Herbst war sehr spannend - mit einem guten Ende. Wer die besseren Nerven hatte, hat nun auch die besseren Weine! Diese Winzerwahrheit hatte sich 2001 ganz besonders bewahrheitet! Die Qualität des Jahr-ganges ist trotz der schwierigen Bedingungen sehr gut, die Weine zeigen sich mit dunkler Farbe, Fruchttiefe und ausgeglichener Konzentration. Der Winter war mild und mit wenig Niederschlag. Durch einen sehr warmen März gingen die Reben schon sehr frühzeitig in Saft. Der Mai zeigte sich von seiner schönsten Seite und schon Ende des Monats blühte der Wein. Gebremst wurde dies Entwicklung durch einen kleinen Kälteeinbruch Anfang Juni und so wurde die Blüte erst Mitte Juni abgeschlossen. Der Juli war anfangs heiß und trocken. Mitte des Monats folgte eine längere kühlere Periode und brachte auch den ersehnten Regen. Mit dem August kehrte der Sommer wieder und der Vegetationsstand der Reben war Anfang September optimal. Ein guter, wenn nicht sehr guter Jahrgang kündigte sich an. Die Trauben hatten dicke Schalen und schon weit fortgeschrittene Reife. Doch dann kam der feuchteste September seit 75 Jahren und ließ auch die letzten Hoffnungen auf einen besseren Jahrgang wie 2000 dahin schwimmen. Trotz enormer Regenmengen blieben die Weintrauben aber relativ gesund. Grund dafür war die Kälte während der Vegetationsperiode, die das Keimen von Fäulnispilzen verhindert. Man musste schon gute Nerven haben, um dieses Wechselspiel der Natur zu ertragen. Die gesamte Ernte drohte verloren zu gehen. Enorme Spannung lag in der Luft, die Nervosität stieg ins Unerträgliche. Die Stimmung im Burgenland glich eher der auf einem Roulettetisch. Geduld und Ruhe war das richtige Gegenmittel zum Nervenkitzel. In den letzten 10 Septembertagen zeigte sich aber wieder die Sonne und der immer vorhandene Wind am Neudsiedler See ließ die Trauben rasch trocknen. Wer Ruhe bewahrte und abwartete, bis die Trauben reif und trocken waren, hatte gute Voraussetzungen. Die Trauben mussten z.T. mühsam von einzelnen faulen Beeren getrennt werden, mehrere Lesedurchgänge waren notwendig. Wer das tat, für den war es möglich gute bis sehr gute Weine zu keltern.

Italien:
Hier sind die Winzer weniger mit der Quantität, dafür aber mit der Qualität zufrieden. Fröste, Hagel und Trockenperioden bewiesen, dass die Natur beim Wein immer noch ein Wörtchen mitzureden hat! Für das Piemont gilt: Wer im Weinberg intervenierte, hatte eine zwar geringe, aber qualitativ außerordentlich gute Ernte, speziell bei der Barberatraube, die im Jahre 2001 – eine konsequente Ertragsbegrenzung vorausgesetzt – hervorragende Ergebnisse brachte. Für die Nebbiolo-Weine, vor allem Barolo und Barbaresco, wird es wieder ein voller, kräftiger, sonnenverwöhnter Jahrgang, dessen Stärke aber auf Kosten der Eleganz geht. Insgesamt befindet das Piemont in bisher noch nie dagewesen Situation: Seit dem Jahrgang 1995 wurden nur hervorragende bis sehr gute Jahrgänge geerntet! Das sind nun sieben (!) Top-Jahrgänge in ununterbrochener Reihenfolge!

Im östlichen Norditalien (Veneto, Friaul, Trentino-Südtirol, Lombardei) brachte das Jahr 2001 einen sonnigen, trockenen Sommer, unterbrochen von einigen Niederschlägen. Das Ergebnis sind gesunde Trauben, die gut strukturierte Rot- und Weißweine hervorbrachten. Im Südtirol erwartete man einen Jahrgang, der teilweise noch besser als ist 2000. Der Cabernet konnte endlich wieder ausreifen, er könnte herausragende Ergebnisse, wie 1997, bringen. Merlot und Lagrein kommen nicht an 2000 heran. Im Veltlin ist der Nebbiolo gut gelungen, die Weine des Veneto – zwischen Gardasee und Prosecco – präsentieren wie der 2000er Jahrgang. Sehr schön versprechen die Rotweine aus dem Valpolicella zu werden. Im Friaul ist 2001 ebenfalls ein hervorragender Jahrgang.

Für die Produzenten der Toscana war es ein schwieriges Jahr: Chianti und Küste - Monta- -lino und die Region hin zur Maremma - hatten zu Ostern Frost, was die Rebentwicklung um fast einen Monat verlangsamte. Die Ergebnisse waren quantitativ mager, qualitativ verspricht 2001 aber ein guter Jahrgang zu werden. Manche Produzenten sprechen sogar von einem sehr guten Jahrgang. Im Montalcino beeinträchtigte der Frost nur die niedrigen Lagen, ansonsten konnten die Trauben sehr schön ausreifen. Die Vino Nobile Produzenten sprechen von einem exzellenten Jahrgang! Es ist hier leider zu erwarten, dass die Preise für die Brunellos stark steigen werden, da teilweise für die Trauben exorbitante Preise bezahlt worden sind!

Süditalien (Apulien, Sizilien, Sardinien): Die ehemals größten Weinproduzenten Italiens, Apulien und Sizilien (inzwischen von Veneto abgelöst!), setzen immer mehr auf Qualität. Gerade in Apulien kommen jedes Jahr hochwertige Weine von neuen Betrieben auf den Markt.

In der nächsten Serie im April berichten wir über die Situation in Frankreich, Spanien und Übersee! Bis dahin verbleibe ich

Ihr
Kuli Narikum